Als Heilmittel setzte Hahnemann unterschiedlich stark verdünnte und dynamisierte Arzneien ein. Besonders bekannt sind diese in Form von Kügelchen, den sogenannten Globuli. Mit der starken Verdünnung wollte Hahnemann die Gift- und Nebenwirkungen von nötigen Medikamenten verhindern. Zuerst verdünnte er die Ausgangsstoffe im Verhältnis 1:10, dann im Verhältnis 1:100 und zuletzt im Verhältnis 1:50.000. Diese Verdünnungsstufen nennt man D, C oder LM/Q-Potenzen.

Aber die Verdünnung allein macht noch keine Substanz zum Heilmittel. Man muss die verdünnte Substanz entweder nach ganz genau festgelegten Regeln "verschütteln" oder mit Milchzucker "verreiben". Nur dadurch wird die heilkräftige Information des Mittels freigesetzt.

Da Hahnemann die Ursache von Krankheit im Unsichtbaren und dynamischen Bereich, sozusagen im geistigen Bereich sah, konnte seiner Theorie zufolge auch nur eine „geistige“ Arznei ein echtes Heilmittel sein.

Eine ganz wichtige Regel ist die Verabreichung nur eines einzigen Mittels. So genannte Komplexmittel oder –homöopathika werden bei der klassischen Behandlung nicht eingesetzt. Ein Komplexmittel besteht aus einer Mischung von homöopathischen Einzel- mitteln und kann nach Hahnemann niemals die heilende Wirkung eines Similimums erreichen. Mitunter verschieben Komplexmittel die Symptome eines Patienten und machen den Fall damit unübersichtlich.

Arzneimittelprüfung

Der Begründer der Homöopathie testete potentielle Medikamente zuerst an sich selber aus und machte später die Arzneimittelprüfung am Gesunden zu einem Prinzip seiner Therapie. Dabei werden auch heute noch in sogenannten Prüfprotokollen alle von den Prüfern bemerkten Symptome, die das Mittel hervorruft notiert. Eine solche Symptomenliste wird von vielen Prüfern gesammelt und zu einem Arzneimittelbild zusammengefasst. Die einzelnen Symptome werden je nach der Häufigkeit ihres Auftretens gewertet und in eine bestimmte Ordnung gebracht.
Solche Sammlungen nennt man Materica medica oder Arzneimittellehre.

Die Symptome werden dann noch einmal in anderen Büchern nach einem bestimmten Schema geordnet und dadurch entsteht ein Nachschlagewerk für Symptome, das so genannte Repertorium.

Alle grundlegenden Homöopathika sind geprüft und ihre Arzneiwirkung ist bis in viele Details bekannt!

Die Ähnlichkeitsregel

Der Therapeut vergleicht nun das Gesamtbild der vom Patienten geschilderten Symptome, mit den Arzneimittelbildern in der Materica medica und sucht nach größtmöglicher Übereinstimmung. Das ähnlichste Mittel, wird dann die Krankheit heilen:

Similia similibus curentur.
Ähnliches soll Ähnliches heilen.

Dazu muss der Homöopath natürlich die geschilderten Krankheitszeichen werten, denn nicht jedes lästige Symptom ist für die Auswahl des Heilmittels von Bedeutung. Besonders wichtig sind immer die Gemütssymptome und das subjektive Empfinden und Befinden des Patienten. Schulmedizinische Befunde werden immer bedacht, sind aber selten ausschlaggebend für die Wahl des Heilmittels.

Es werden nie Krankheiten, sondern immer kranke Menschen behandelt.

Der hohe Anspruch Hahnemanns an seine Heilkunst und seine unermüdliche Akribie bei Beobachtung, Analyse und Wertung von Krankheitsfällen aller Art, haben eine Basis geschaffen für eine fundierte Theorie und eine praktische Heilkunst. Letztere hat sich schon vor über 200 Jahren bei akuten Zuständen, besonders bei Epidemien aber auch bei chronischen Krankheiten bewährt. An Aktualität hat sie nichts eingebüßt und erfreut sich immer größerer Beliebtheit.